Hintergrund

Neues Schwerpunktthema der deutsch-tschechischen jugendpolitischen Zusammenarbeit 2017-2019

„Gemeinsam erinnern für eine gemeinsame Zukunft“

Vor sieben Jahren hat Tandem mit dem Einstieg in Themen der historisch-politischen Bildung Neuland in der deutsch-tschechischen jugendpolitischen Zusammenarbeit betreten. Die beiden Koordinierungszentren haben seitdem mit Seminaren, Arbeitstreffen und Publikationen sowie in Kooperation mit Gedenkstätten, zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren in beiden Ländern einen ersten Beitrag zur Herausbildung eines transnationalen Gedenkens, also einer gemeinsamen deutsch-tschechischen Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus geleistet.

Der Deutsch-Tschechische Jugendrat hat Tandem damit beauftragt, diese Aktivitäten fortzusetzen und in den Jahren 2017-2019 einen Fokus auf die Themen „Transnationale Erinnerungsarbeit/politische Bildung“ für deutsch-tschechische Jugend- und Schüler/-innenbegegnungen zu legen.
Anlässlich der Veranstaltungen zu 70 Jahren Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft und der Reden zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 2015 betonten Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sich Gleiches oder Ähnliches nicht wiederholen dürfe.

Der tschechische Premierminister Bohuslav Sobotka betonte ebenfalls, dass es wichtig sei, den jungen Menschen Geschichte, Toleranz und Verständigung zu vermitteln, damit sich Geschichte nicht wiederhole. Daraus lässt sich der klare öffentliche Bedarf für die jugendpolitische Zusammenarbeit ableiten, dass sich junge Menschen aus Deutschland und Tschechien gemeinsam mit der Geschichte befassen, aus der Vergangenheit lernen und eine Zukunft ohne Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus gestalten. Die Koordinierungszentren erreichen dies indirekt über die Teilnahme der Fachkräfte am Leistungsangebot und deren Qualifizierung.

Auch die Gedenkstätten in beiden Ländern, mit denen die Koordinierungszentren kooperieren, sind an einer Intensivierung der Arbeit mit deutsch-tschechischen Jugendgruppen interessiert und sehen Potential zur Weiterentwicklung und Erhöhung der Anzahl an Maßnahmen.

Die Jugendverbände und -ringe betonen im Beschluss des Deutschen Bundesjugendrings „Perspektiven der Jugendverbände auf Erinnerungsarbeit“ aus dem Jahr 2015, „das Gedenken an den Holocaust und die nationalsozialistischen Verbrechen, die von Deutschland ausgingen, wach zu halten und gemeinsam Sorge dafür zu tragen, „dass Auschwitz nie wieder sei“. Außerdem unterstreichen sie darin, Erinnerungsarbeit über den nationalen Kontext hinaus zu leisten.

Es zeigt sich der Bedarf, Austauschmaßnahmen insbesondere zu Themen der transnationalen Erinnerungsarbeit anzuregen, insgesamt die Anzahl an Maßnahmen zum Schwerpunktthema zu steigern und die Anzahl an Trägern der Maßnahmen zu erweitern. Vor allem die bereits auf nationaler Ebene in diesen Themenbereichen agierenden Träger und Verbände der außerschulischen Jugendarbeit können für die gemeinsame Auseinandersetzung mit tschechischen Partnern gewonnen werden (z.B. DGB-Jugend, Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend, Bund der Deutschen Katholischen Jugend).

Im Bereich der politischen Bildung wird daraus das Potential der Bearbeitung von Themen ersichtlich, die relevant für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit sind wie zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus, die Auseinandersetzung mit populistischen Bewegungen wie z.B. Pegida, die Integration von Minderheiten, z.B. Roma, die Integration von Migrant/-innen, der Umgang mit Flüchtlingen sowie Demokratiebildung und Beteiligung von Jugendlichen.